- Festverzinslich bedeutet feste Zinsbedingungen, nicht einen festen Börsenkurs.
- Kupon, laufende Verzinsung und Rendite bis zur Endfälligkeit sind verschiedene Größen.
- Restlaufzeit, Bonität und Inflation gehören ebenso zum Vergleich wie die ausgewiesene Rendite.
Die Zahlung bleibt gleich, der Preis verändert sich
Eine klassische festverzinsliche Anleihe verspricht bestimmte Zinszahlungen und eine Rückzahlung zu einem festgelegten Termin. Ihr Börsenkurs kann sich trotzdem täglich verändern. Der Vertrag bestimmt die zugesagten Zahlungsströme. Der Markt entscheidet, welchen Preis Käufer heute dafür zahlen.
Bei nominalverzinslichen Bundeswertpapieren beschreibt die Deutsche Finanzagentur feste Laufzeiten, gegebenenfalls feste jährliche Zinszahlungen und die Rückzahlung zum Nennwert. Daraus folgt jedoch kein unveränderlicher Zwischenkurs. Wer vor Fälligkeit verkauft, erhält den dann erzielbaren Marktpreis. Der Begriff festverzinslich beschreibt die Zinsvereinbarung und darf nicht mit einer jederzeit wertstabilen Anlage verwechselt werden.
Ein Jahr Restlaufzeit macht den Zusammenhang sichtbar
Ein eigenes Modell vereinfacht sämtliche Zahlungsströme auf einen Termin: Eine Anleihe zahlt in genau einem Jahr 1.000 Euro Nennwert und 30 Euro Zinsen. Es gibt keine Zwischenzahlung, keine Gebühren, keine Steuern und kein Ausfallrisiko. Der gesamte künftige Zufluss beträgt damit 1.030 Euro.
Verlangen Käufer für diese Laufzeit drei Prozent Rendite, beträgt der heutige Modellpreis 1.030 geteilt durch 1,03, also 1.000 Euro. Steigt die geforderte Rendite auf vier Prozent, sinkt der Preis auf 1.030 geteilt durch 1,04: rund 990,38 Euro. Bei zwei Prozent Rendite wären es dagegen rund 1.009,80 Euro.
Die versprochene Zahlung hat sich in keinem der drei Fälle geändert. Verändert wurde nur der Preis, zu dem sie die jeweils geforderte Rendite ermöglicht. Die SEC beschreibt genau diese grundsätzliche Gegenbewegung bei festverzinslichen Anleihen: Höhere Marktrenditen drücken unter sonst gleichen Bedingungen den Preis, niedrigere erhöhen ihn.
Kupon, laufende Verzinsung und Endfälligkeitsrendite
Der Kupon bezieht sich auf den Nennwert. Drei Prozent von 1.000 Euro ergeben 30 Euro jährliche Zinsen. Die laufende Verzinsung setzt dagegen diese Zahlung zum aktuellen Kaufpreis ins Verhältnis. Bei einem hypothetischen Preis von 950 Euro wären 30 Euro rund 3,16 Prozent. Diese Kennzahl berücksichtigt noch nicht, was zwischen Kaufpreis und Rückzahlung geschieht.
Die Rendite bis zur Endfälligkeit bezieht zusätzlich die verbleibenden Zahlungen, ihre Termine und den Rückzahlungsbetrag ein. Der SEC-Leitfaden zu Unternehmensanleihen trennt diese Größen. Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen insbesondere Laufzeit, Währung, Bonität und mögliche Kündigungsrechte zusammenpassen.
Die genannte Endfälligkeitsrendite ist zudem eine modellhafte Rendite unter den angenommenen Zahlungen. Bei mehreren Kupons hängt die tatsächlich erzielte Gesamtrendite unter anderem davon ab, zu welchen Bedingungen zwischenzeitliche Zahlungen wiederangelegt werden. Ein vorzeitiger Verkauf oder Zahlungsausfall verändert das Ergebnis.
Warum die Restlaufzeit so wichtig ist
Nach der SEC reagieren längere festverzinsliche Anleihen unter sonst gleichen Bedingungen im Allgemeinen stärker auf Zinsänderungen als kürzere. Auch die Kuponhöhe spielt eine Rolle. Bei sonst gleichen Bedingungen bedeutet ein niedrigerer Kupon, dass ein größerer Anteil der versprochenen Zahlungen erst mit der Rückzahlung am Laufzeitende anfällt.
Anschaulich geht es darum, wie lange eine heute festgelegte Zahlung gegen neue Anlagebedingungen bestehen muss. Ein Zahlungsanspruch, der bald erfüllt wird, kann relativ früh neu angelegt werden. Ein weit entfernter Anspruch bleibt länger an seine alten Bedingungen gebunden. Das macht lange Laufzeiten nicht grundsätzlich gut oder schlecht, aber für den möglichen Zwischenkurs besonders relevant.
Ein Portfolio aus mehreren Anleihen beseitigt diesen Zusammenhang nicht. Sind viele Positionen langlaufend, können sie gemeinsam auf veränderte Renditen reagieren. Die Zahl der enthaltenen Wertpapiere und die Empfindlichkeit gegenüber Zinsen sind unterschiedliche Eigenschaften.
Halten bis zur Fälligkeit löst nicht jedes Risiko
Bei planmäßiger vollständiger Zahlung verliert ein zwischenzeitlicher Kursrückgang für den nominalen Rückzahlungsbetrag seine Bedeutung, wenn die Anleihe bis zum Ende gehalten wird. Das setzt allerdings voraus, dass der Emittent zahlt und ein Verkauf vorher tatsächlich nicht nötig wird. Die Finanzagentur nennt neben dem Zinsänderungsrisiko ausdrücklich Emittenten- und Wiederanlagerisiken.
Zusätzlich kann Inflation die Kaufkraft der Rückzahlung mindern. Fremdwährungsanleihen bringen aus Sicht eines Euro-Anlegers Wechselkursschwankungen hinzu. Und ein Marktpreis ist nur dann praktisch nutzbar, wenn genügend Handel möglich ist. Die SEC führt deshalb auch Liquiditäts- und Inflationsrisiken getrennt auf. Eine hohe ausgewiesene Rendite ist ohne diese Bedingungen nicht vollständig beschrieben.
Eine Zinssenkung ist keine automatische Kursprognose
Der Leitzins einer Zentralbank und die Rendite einer zehnjährigen Anleihe sind verschiedene Größen. Die EZB erklärt, dass längere Zinsen unter anderem Erwartungen an künftige kurzfristige Zinsen und Inflation widerspiegeln. Eine erwartete geldpolitische Entscheidung kann deshalb bereits vor ihrer Bekanntgabe in Marktpreisen enthalten sein.
Selbst wenn eine Zentralbank den aktuellen Leitzins senkt, könnten längere Renditen steigen, falls sich gleichzeitig die Erwartungen für Inflation oder spätere Zinsen verändern. Bei Unternehmensanleihen kommt die Bewertung des Ausfallrisikos hinzu. Ein gesunkener allgemeiner Marktzins kann durch einen höheren Risikoaufschlag überlagert werden. Aus einer einzelnen Notenbankmeldung lässt sich daher keine sichere Kursrichtung für jede Anleihe ableiten.
Welche Angaben einen Vergleich tragfähig machen
Vor dem Vergleich stehen Nennwert, Kaufpreis, Zahlungstermine, Restlaufzeit, Währung und Schuldner. Danach folgen Renditeberechnung, Kosten und besondere Vertragsrechte. Bei einer Anlage mit mehreren Zahlungen muss außerdem klar sein, welche Wiederanlageannahmen verwendet werden.
Die entscheidende Verbindung lautet: Ein fester Zahlungsstrom kann zu verschiedenen Marktpreisen gehandelt werden und dadurch unterschiedliche Renditen bieten. Wer Kupon und Rendite auseinanderhält, erkennt schneller, ob eine hohe Prozentzahl aus höheren Zahlungen, einem niedrigeren Preis oder größeren Risiken entsteht.
Quellen & weiterführende Links
- Deutsche Finanzagentur: Eigenschaften und Risiken von Bundeswertpapieren (öffnet in neuem Tab)
- SEC Investor.gov: Zinsänderungen und Kurse festverzinslicher Anleihen (öffnet in neuem Tab)
- SEC: What Are Corporate Bonds? (öffnet in neuem Tab)
- SEC Investor.gov: Anleihen und ihre Risiken (öffnet in neuem Tab)
- EZB: Was sind Zinssätze? (öffnet in neuem Tab)
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