- TER, Renditeabweichung und persönliche Handelskosten beantworten unterschiedliche Fragen.
- Im Modell liegt der ETF mit höherer TER auf Fondsebene vorn; höhere Handelskosten drehen den Vorsprung wieder um.
- Fondskosten sind in der Fondsrendite bereits berücksichtigt und dürfen davon nicht erneut abgezogen werden.
Die Zahl auf dem Etikett ist erst der Anfang
ETF A nennt laufende Kosten von 0,12 Prozent, ETF B von 0,20 Prozent jährlich. Beide bilden denselben Aktienindex ab. Um die günstigere Anlage zu bestimmen, verfolgen wir diese beiden ausdrücklich fiktiven Produkte bis zum Ergebnis: erst die Fondskosten, dann die Rendite und schließlich die persönlichen Handelskosten.
Die Trennung ist entscheidend. Wer von einer bereits um Fondskosten verminderten Rendite die TER erneut abzieht, rechnet zu pessimistisch. Wer sich allein auf die Fondsrendite verlässt, lässt dagegen die Kosten im eigenen Depot außen vor.
Was die TER tatsächlich beschreibt
Die Total Expense Ratio, kurz TER, beschreibt laufende Fondskosten im Verhältnis zum Fondsvermögen. Dazu gehören insbesondere Verwaltung und weitere laufende Betriebsaufwendungen. Sie werden dem Fondsvermögen entnommen und sind deshalb bereits in dessen Wertentwicklung enthalten. Eine zusätzliche Jahresrechnung über denselben Betrag erscheint normalerweise nicht auf dem Verrechnungskonto. Vanguard grenzt diese Kosten ausdrücklich von Order-, Handelsplatz- und Depotgebühren ab.
Bei einem vereinfachend konstanten Anlagewert von 12.000 Euro entsprechen 0,20 Prozent jährlich 24 Euro. Tatsächlich verändern sich Fondsvermögen und Anteilwert laufend. Die Rechnung zeigt die Größenordnung der TER, noch nicht sämtliche Kosten des Anlegers.
Zusätzlich können im Fonds Transaktionskosten entstehen, wenn sein Portfolio Wertpapiere handelt. Sie sind nicht mit der TER oder der Brokerrechnung für den eigenen ETF-Kauf gleichzusetzen. Im Basisinformationsblatt werden Transaktionskosten gesondert ausgewiesen. Die ESMA-Fragen und Antworten unterscheiden ausdrücklich den Handel des Fonds von den Transaktionen für einen Kunden.
Die Tracking Difference betrachtet das Ergebnis
Bei einem passiven Indexfonds lässt sich zusätzlich vergleichen, welche Rendite der Fonds und welche sein Referenzindex über denselben Zeitraum erreicht haben. Für diesen Artikel gilt die Konvention: Tracking Difference gleich Fondsrendite minus Indexrendite. Andere Darstellungen verwenden das umgekehrte Vorzeichen. Deshalb ist die Rechenrichtung vor jedem Zahlenvergleich zu prüfen.
Unser Modellindex steigt in einem Jahr um 6,00 Prozent. ETF B erreicht einschließlich seiner Ausschüttungen 5,82 Prozent. Seine Tracking Difference beträgt somit minus 0,18 Prozentpunkte: Bei 12.000 Euro Anfangskapital fehlen 21,60 Euro zum Indexergebnis. Fondskosten haben diese Rendite bereits beeinflusst und werden nicht noch einmal abgezogen.
DWS erläutert, dass neben Gebühren etwa Transaktionen und Erträge aus Wertpapierleihe die Abweichung beeinflussen können. Die historische Differenz ist daher weder eine reine Gebührenrechnung noch ein Versprechen für das kommende Jahr.
Tracking Error misst eine andere Eigenschaft
Die Bundesbank unterscheidet die Renditeabweichung von deren Schwankung. Der Tracking Error misst, wie stark die Renditedifferenzen über die Beobachtungsperioden streuen. Er sagt nicht unmittelbar, wie groß der gesamte Rückstand des Fonds am Jahresende ist.
Ein Fonds kann dem Index gleichmäßig hinterherlaufen: Die Abweichung schwankt wenig, obwohl sich ein messbarer Rückstand aufbaut. Umgekehrt kann der Jahresabstand trotz unruhiger Zwischenphasen klein sein. Ein kleiner Tracking Error ersetzt deshalb nicht den Blick auf die tatsächliche Renditedifferenz.
Nur dieselben Maßstäbe ergeben einen fairen Vergleich
Ein Kursindex ohne Dividenden lässt sich nicht sinnvoll mit einer Fondsrendite vergleichen, die Ausschüttungen einschließt. Auch Brutto- und Nettoindizes behandeln Dividendensteuern unterschiedlich. Die Deutsche Börse weist in ihrer Darstellung von ETF-Preisen auf diese Vergleichsprobleme hin. Zusätzlich müssen Zeitraum und Währung übereinstimmen.
Hinzu kommen genaue Anteilklasse und Bezugsgröße: Die Entwicklung des Nettoinventarwerts je Fondsanteil beschreibt das Ergebnis im Fonds. Der Börsenpreis beim tatsächlichen Kauf oder Verkauf kann davon abweichen. Bei ausschüttenden ETFs reicht eine reine Kurskurve nicht für den Renditevergleich.
Zwei Fonds, zwei unterschiedliche Rangfolgen
Wir setzen nun für beide Modellfonds 12.000 Euro investiertes Anfangskapital und dasselbe Jahr an. Alle Fondskosten sind in den folgenden Renditen enthalten; Ausschüttungen werden in die Gesamtrendite einbezogen. ETF A mit 0,12 Prozent TER erzielt 5,70 Prozent. Das ergibt 684 Euro Wertzuwachs und 12.684 Euro Endwert. Seine Tracking Difference zum Index beträgt minus 0,30 Prozentpunkte.
ETF B mit 0,20 Prozent TER erreicht die genannten 5,82 Prozent: 698,40 Euro Wertzuwachs und 12.698,40 Euro Endwert. Trotz höherer TER liegt B auf Fondsebene um 14,40 Euro vorn. Diese Modellannahme zeigt eine mögliche Konstellation; sie behauptet weder, dass teurere ETFs besser sind, noch dass sich das Ergebnis wiederholen würde.
Jetzt kommen die persönlichen Kosten hinzu. Für Kauf und Verkauf zusammen nehmen wir bei A insgesamt 12 Euro und bei B 30 Euro an, einschließlich Gebühren und Preisabweichungen beim Handel. Sie werden zusätzlich zum investierten Betrag getragen; Steuern, Depotgebühren und der Zinseffekt dieser Zahlungen bleiben im Modell außen vor. Der Wertzuwachs nach Handelskosten beträgt damit bei A 672 Euro, bei B 668,40 Euro.
Der Vorsprung wechselt: A liegt nun um 3,60 Euro vorn. B hätte seinen Vorteil nur behalten, wenn seine zusätzlichen persönlichen Kosten gegenüber A unter 14,40 Euro geblieben wären. Das ist der praktische Nutzen der Rechnung: Der Renditeunterschied auf Fondsebene lässt sich direkt mit dem Kostenunterschied im eigenen Depot abgleichen.
Der eigene Handel kann kleine Gebührenvorteile aufzehren
Auch bei einem sehr günstigen Fonds bleiben Kauf- und Verkaufskosten relevant. Der Spread ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs. In einem unveränderten hypothetischen Markt mit 100,00 Euro Briefkurs und 99,80 Euro Geldkurs würde ein sofortiger Kauf und anschließender Verkauf von 50 Anteilen bereits 10 Euro Unterschied erzeugen. Brokergebühren kämen hinzu. Der volle Spread beschreibt hier ausdrücklich den unmittelbaren Hin-und-zurück-Handel.
Ebenso lässt sich ein Wechsel nüchtern prüfen. Kostet der Wechsel insgesamt 50 Euro und beträgt der erwartete jährliche Vorteil bei unverändert 10.000 Euro Anlagewert lediglich 0,10 Prozentpunkte, wären rechnerisch fünf Jahre nötig, um diese Kosten auszugleichen. Steuern, Wertschwankungen und Änderungen der Gebühren sind in diesem Modell nicht enthalten. Es ist eine Rechenhilfe, keine Wechselaufforderung.
Welche Zahlen für den eigenen Vergleich gebraucht werden
Bei echten Produkten liefern Factsheets vergleichbare historische Fonds- und Indexrenditen, das Basisinformationsblatt die Produktkosten und die Bank die Konditionen für Kauf, Verkauf und Depot. Mehrere Zeiträume helfen zu erkennen, ob ein einzelnes Jahr auffällig war. Unterschiedliche Märkte oder Indexregeln lassen sich dabei nicht allein über Gebühren vergleichen.
Im Beispiel entscheidet ein Unterschied von 18 Euro Handelskosten über den Vorsprung von 14,40 Euro bei der Fondsrendite. Bei anderen Anlagebeträgen oder längerer Haltedauer kann die Rechnung anders ausfallen. Eine niedrigere TER bleibt ein Vorteil unter sonst gleichen Bedingungen; ob diese Bedingungen vorliegen, zeigen erst die übrigen Zahlen.
Quellen & weiterführende Links
- Vanguard: ETF-Kosten und Abgrenzung von Handelsgebühren (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Bundesbank: Navigationshilfen im ETF-Dschungel (öffnet in neuem Tab)
- DWS Xtrackers: FAQ zu Tracking Error und Tracking-Differenz (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Börse: ETF-Preise und Vergleich mit dem Index (öffnet in neuem Tab)
- ESMA: MiFID-II-Fragen und Antworten zu Transaktionskosten (öffnet in neuem Tab)
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine persönliche Anlageberatung. Kapitalanlagen können an Wert verlieren. Historische Entwicklungen erlauben keine verlässliche Aussage über künftige Ergebnisse.
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