- Der letzte gehandelte Kurs ist kein verbindliches Angebot für die gewünschte Stückzahl.
- Market-Orders haben keine eigene Preisgrenze; Limit-Orders garantieren keine Ausführung.
- Ein Stopkurs ist ein Auslöser. Der spätere Ausführungspreis hängt vom Ordertyp und verfügbaren Markt ab.
Der angezeigte Kurs ist nicht die ganze Handelssituation
Auf dem Bildschirm steht eine Aktie bei 50 Euro. Nach dem Kauf weist die Abrechnung jedoch einen höheren Durchschnittspreis aus. Dafür muss weder ein Fehler noch eine versteckte Gebühr vorliegen. Der angezeigte Wert kann der letzte ausgeführte Umsatz sein. Die gerade verfügbaren Verkaufsangebote können bereits andere Preise haben oder nur für eine begrenzte Stückzahl reichen.
Bevor eine Order erteilt wird, sind deshalb drei Angaben auseinanderzuhalten: der vergangene Handelspreis, die aktuell angebotenen Kauf- und Verkaufskurse sowie das jeweils verfügbare Volumen. Ein Börsenkurs ist eine Information über den Markt. Erst eine tatsächlich ausgeführte Transaktion legt fest, wie viele Stücke zu welchem Preis gekauft oder verkauft wurden.
Geldkurs, Briefkurs und die Spanne dazwischen
Der Geldkurs bezeichnet ein Kaufangebot im Markt, der Briefkurs ein Verkaufsangebot. Wer unmittelbar kaufen möchte, trifft grundsätzlich auf die Verkaufsseite. Wer unmittelbar verkaufen möchte, auf die Kaufseite. Die Deutsche Börse bezeichnet die Differenz zwischen dem besten Kauf- und Verkaufskurs als Spread beziehungsweise Geld-Brief-Spanne.
Ein eigenes Beispiel: Der beste Geldkurs beträgt 49,90 Euro, der beste Briefkurs 50,10 Euro. Die absolute Spanne beträgt 0,20 Euro. Bezogen auf den Mittelwert von 50 Euro sind das 0,40 Prozent. Andere Darstellungen verwenden einen anderen Bezugswert; deshalb sollte auch bei Prozentangaben zum Spread die Berechnungsweise klar sein.
Bei unveränderten Angeboten würde ein sofortiger Kauf und anschließender Verkauf von 20 Aktien 4 Euro Unterschied erzeugen, noch vor Brokergebühren. Diese Rechnung beschreibt den gesamten unmittelbaren Hin-und-zurück-Handel. Sie bedeutet nicht, dass zusätzlich zum Kaufpreis noch einmal der volle Spread als separate Gebühr abgebucht wird.
Eine Market-Order hat keine eigene Preisgrenze
Bei einer Market-Order wird kein höchster Kaufpreis oder niedrigster Verkaufspreis festgelegt. Die Order soll bei der nächsten möglichen Preisfeststellung ausgeführt werden. Xetra beschreibt dafür eine hohe Ausführungswahrscheinlichkeit. Ein bestimmter Preis wird dadurch nicht garantiert; bei fehlender Gegenseite oder einer Handelsunterbrechung ist auch die sofortige Ausführung nicht gesichert.
Das zeigt ein vereinfachtes, statisches Orderbuch: 40 Aktien werden zu 50,10 Euro angeboten, weitere 60 zu 50,30 Euro. Eine Kauforder über 100 Stück könnte beide Stufen nutzen. Der Gesamtpreis wäre 40 mal 50,10 plus 60 mal 50,30, also 5.022 Euro. Der Durchschnittskurs läge bei 50,22 Euro, obwohl das beste sichtbare Angebot zunächst 50,10 Euro betrug.
In echten Handelssituationen können andere Orders und Preisänderungen dazwischenkommen. Das Beispiel erklärt den Mechanismus, nicht eine garantierte Reihenfolge konkreter Ausführungen. Gerade die gewünschte Stückzahl gehört deshalb zur Preisbetrachtung.
Ein Limit schützt den Preis, nicht die Ausführung
Eine Limit-Kauforder legt den maximal akzeptierten Stückpreis fest. Eine Limit-Verkaufsorder nennt den Mindestpreis. Die Deutsche Börse definiert das Limit entsprechend als obere beziehungsweise untere Preisgrenze. Wird eine Order ausgeführt, kann der Kurs günstiger sein als das gesetzte Limit.
Mit einem Kauflimit von 50,15 Euro wären im Modell die 40 Aktien zu 50,10 Euro erreichbar, die weiteren 60 zu 50,30 Euro dagegen nicht. Ohne zusätzliche Ausführungsbedingung könnte ein Restauftrag stehen bleiben. Welche Teilmengen tatsächlich ausgeführt werden, hängt vom Markt, der Priorität im Orderbuch und den konkreten Orderbedingungen ab.
Ein Kurs auf Höhe des Limits garantiert daher noch keine vollständige Ausführung. Ein engeres Limit tauscht Preisfreiheit gegen das Risiko, die gewünschten Stücke zunächst nicht zu erhalten. Diese Abwägung ist der Kern des Ordertyps.
Stop ist nicht dasselbe wie Limit
Eine Stop-Market-Order wird nach Erreichen des festgelegten Auslösers zu einer Market-Order. Eine Stop-Limit-Order wird dagegen zu einer limitierten Order. Xetra beschreibt beide Varianten getrennt. Der Stopwert ist somit zunächst ein Auslöser und nicht automatisch der spätere Abrechnungskurs.
Ein vereinfachter Verkaufsfall: Eine Stop-Market-Order wird bei 46 Euro ausgelöst. Liegt das nächste verfügbare Kaufangebot nach einer Kurslücke nur bei 43 Euro, kann die Ausführung deutlich unter dem Stopwert stattfinden. Bei einer ausgelösten Stop-Limit-Order mit Mindestpreis 44 Euro wäre dieses Angebot nicht ausreichend; der Verkauf könnte ausbleiben. Beide Varianten haben somit unterschiedliche Risiken.
Gültigkeit und Gebühren gehören zur selben Entscheidung
Ein nicht ausgeführter Auftrag kann je nach gewählter Gültigkeit am Tagesende verfallen oder länger bestehen bleiben. Die Deutsche Börse erläutert unterschiedliche Gültigkeitszusätze; welche davon angeboten werden, hängt auch vom Broker ab. Eine versehentlich stehen gebliebene Order kann später ausgeführt werden, obwohl sich die eigene Einschätzung inzwischen verändert hat.
Zusätzlich sind die Abrechnungsbedingungen zu prüfen: feste Ordergebühr, Handelsplatzentgelt und mögliche Kosten von Teilausführungen. Ein günstigerer Stückpreis allein beweist noch keinen günstigeren Gesamtkauf. Für eine überschaubare Order können feste Gebühren im Verhältnis zum Anlagebetrag besonders ins Gewicht fallen.
Die vier Angaben vor dem Absenden
Vor einer Order sollten Wertpapier und Handelsplatz, Stückzahl, Preisbedingung und Gültigkeit eindeutig feststehen. Danach lohnt der Blick auf die verfügbaren Angebote und die voraussichtlichen Gesamtkosten. Nach der Ausführung werden Stückzahl, Durchschnittspreis und Gebühren mit der Abrechnung abgeglichen.
Ein Ordertyp kann keine ungünstige Unternehmensentwicklung verhindern. Er steuert, wie ein Auftrag auf den Markt trifft. Wer diese Grenze versteht, kann Kursrisiko und Ausführungsrisiko getrennt beurteilen und vermeidet, einen zuletzt angezeigten Preis mit einer zugesicherten Kaufmöglichkeit zu verwechseln.
Quellen & weiterführende Links
- Deutsche Börse: Spread (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Börse: Market-Order (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Börse: Limit (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Börse Xetra: Ordertypen und Attribute (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Börse: Die erste Order aufgeben (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Börse Xetra: Fortlaufender Handel mit Auktionen (öffnet in neuem Tab)
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